Interview mit MARISA BURN-PICHLER

Creative Thinker und Mama

Der Trend zu weniger Tempo

Marisa hat in ihrem Leben schon einige Träume verwirklicht. Mit ihrem Design Studio Hopehope gründete sie vor einem Jahrzehnt das erste Schweizer Online-Magazin für Lifestyle, Mode und Design. Mit Burninglights verfolgt die Designerin, Künstlerin und Mama heute die Vision von einem ganzheitlichen Lebensstil und beweist damit einmal mehr ihr Gespür für den Zeitgeist.

MARISA BURN-PICHLER

Was hat dich zu dem inspiriert, was du heute machst?


Das ausschlaggebende Moment war während meines zweiten Mutterschaftsurlaubs. Zeit wurde ein extrem wichtiger Faktor, der davor noch flexibler verteilbar war. Ich habe bemerkt, dass wir oft nach Produkten suchen, um in dieser schnelllebigen Zeit wieder zu uns zu finden. Produkte, die uns als Orientierungshilfe dienen und unseren Alltag entschleunigen. Es gab keine. Entweder waren sie super unästhetisch oder aber nicht nachhaltig. Mich interessierte es, wie man Design und Entschleunigung auf eine sinnvolle Art verbinden kann. Was sind Dinge, die wir brauchen, um unser Wohlbefinden zu steigern? Was sind so Produkte, wie wie ein Anker im Alltag funktionieren? Ich beschloss einfach mal zu machen. So entstanden die ersten Produkte unter Burninglights.ch.

Wer oder was beeinflusst deinen Stil in deinem Schaffen?


Schon zu Zeiten von Hopehope habe ich mich für Zeitgeist-Themen interessiert. Heute verbinde ich diese mit Spiritualität. Lifestyle umfasst das ganze Leben, viel mehr als nur die Hülle. Unsere Bio Kräuter-Tees beispielsweise sind mit viel Sorgfalt von Hand in der Schweiz gepflückt und an der Sonne getrocknet. Das ist für mich ein entschleunigtes, ganzheitliches Produkt, das nachhaltig ist und inhaltlich mit den Kräutern Themen wie Entspannung, Beruhigung und Stärkung behandelt. Oder die Postkarten und Poster, die alle einzeln von Hand gemalt sind. Im Vordergrund stehen das Handwerk und die Zeit, die es braucht, um jedes Produkt herzustellen. Gelingt es mir, Menschen damit zu inspirieren und ihnen eine Auszeit im schnellen Alltag zu schenken, habe ich mein Ziel erreicht.

Du bist Macherin & Mama. Wie schaffst du da eine Balance zu wahren?


Man hat selbst aktiv für seine Balance zu sorgen, auch für seine Nichterreichbarkeit in dieser vernetzten Welt mit all seinen Kanälen. Balance ist, dass man akzeptiert, dass es auch mal stressige Zeiten gibt und dass es Zeiten gibt, in denen man sich bewusst eine Auszeit nimmt. Meine Meditation ist die Musik. Sie ist die längste Konstante in meinem Leben. Die Chance, dass ich damit viel Geld verdiene, ist nicht gross. Die Chance aber, dass etwa aus einer EP ein authentisches Projekt entsteht, die ist gross. Und das ist mega cool.

In welchen Momenten bist du zufrieden?


Es gab immer so Momente. Materielle Dinge haben heute weniger Bedeutung. Das hat einerseits mit dem Alter zu tun, aber auch mit dem Zeitgeist. Ich bin dankbar, dass ich meine Firma in eine ganzheitliche Richtung weiterentwickeln konnte. Dass ich mit Menschen auf eine friedliche und kreative Art zusammenarbeiten darf. Das gibt mir extrem viel. Ich habe auch einfach Glück gehabt, dass ich so sein darf wie ich bin.

Wurden dir im Leben auch mal Hürden gestellt? Was hat dich ermutigt?


Hürden gab es immer, doch ich war nie jemand, die schnell aufgibt. Ich mache nichts, von dem ich nicht überzeugt bin. Und Hürden? Man kann auch etwas neu erfinden. Warum nicht die erste Person sein, die es so macht? Ich glaube an den Wandel, dass wir flexibel und entwicklungsfähig sind. Wenn ich es bin, sind es auch die anderen.

Wer oder was ist für dich eine Macherin?


Mich faszinieren Menschen, die beobachtend auf die Welt blicken. Die ihre Meinung sagen, unabhängig davon ob und was andere dazu sagen. Machen beginnt für mich per se damit, dass man zu etwas Stellung nimmt. Ich finde es cool, wenn jemand eine Vision hat und diese umzusetzen versucht – selbst wenn aus einer Vision ganz andere Dinge entstehen. Eine Macherin ist für mich eine Frau, die diesen Visionen folgt.