Interview mit Monika Stalder

MACHERIN | MONIKA STALDER, KÜNSTLERIN

Die begeisterte Erforscherin der Metaebene, die Künstlerin Monika Stalder, setzt in Sachen Mode gerne auf leise Töne. Stalder nennt es sogar selber: stille Mode. Nichts, dass kreischend Aufmerksamkeit auf sich ziehe, sondern lieber monochrome, unisex, am liebsten eine Art Alltagsuniform. Die intellektuelle Bauerntochter aus dem Emmental, verriet im modissa-Interview auch noch, was sie an einer superschicken Kunstvernissage am liebsten tragen würde: Einen klassischen Anzug.

Interview: Martina Bortolani

 

Ihre Kunst ist von geometrischen, strukturierten Formen geprägt. Gefällt Ihnen visuelle Ordnung auch in der Mode?

Eine gewisse Vorliebe für Reduktion und Symmetrie ist in meinem textilen Arsenal sicher erkennbar. Ich greife auf das zurück, was sich über Jahre bewährt hat: Zeitlose Schnitte, vieles unisex, schwarze Hosen – und zu jeder Eröffnung kaufe ich mir wieder ein neues, weisses T-Shirt. 

Also eine Art Alltagsuniform?

Das trifft es. Ich brauche meine Zeit am Morgen für anderes, als den Gedanken, was ich anziehe. Darum besitze ich wenig, dafür umso stillere Mode.

Stille Mode?

Oder anders gesagt: neutrale. Keine lauten, kreischenden Teile, mit denen man sofort auffällt. Rein optisch betrachtet, bleibe ich so bewusst unter dem Radar. Das habe ich wohl als Bauerntochter in meiner Heimat, dem Emmental, gelernt: Wer harmlos aussieht, wird rasch mal unterschätzt. Als Frau gefällt mir das heute besonders (lacht).

Keine schlechte Strategie.

Ja, damit kann man jeden Tag ein bisschen spielen. Denn das Mehrschichtige ist doch gerade das Spannende im Leben. Die Metaebene interessiert mich mehr als eine glänzende Oberfläche. Im Dazwischen nehme ich die Realität wahr.

Wenn Sie Ihren Kleidungsstil mit einem Kunstwerk vergleichen müssten, welches wäre es?

Sicher eines von Steven Parrino!

Seine Werke sind ausschliesslich monochrome, ruhig und tiefgründig.

Und sie brechen aus dem konventionellen Rahmen aus. Trotz ihrer Bescheidenheit, lösen sie ein intensives Echo in mir aus. Kein Wunder, Parrino war ja auch Musiker. Er experimentierte viel mit elektronischer Musik, kombinierte Kunst mit Klang.

Auch Sie vereinen Kunst mit Musik. Was inspiriert Sie?

Da ich oft Zen-artig arbeite, ganz langsam und dafür eine ruhige Hand brauche, wähle ich Musik, die nicht ablenkt. Sphärisches Material, alles ziemlich minimal. Brian Eno oder La Monte Young. Ah, und natürlich Suzanne Ciani, eine grossartige Synthi-Pionierin aus den Siebzigern. Die Sounds und Rhythmen webe ich dann quasi in meine Kunst ein, sie können wie Weichzeichner wirken.

Konkret?

Ich bediene ich mich oft dem Handwerk der Malerei, zum Beispiel der Nass-in-Nass-Technik. Bei diesem Vorgehen wirken die Resultate auf den riesigen Leinwänden, Fläche an Fläche, dann vordergründig streng und ultra-strukturiert, aber sie haben ein wildes, unkontrollierbares Innenleben.

Passt diese Analogie auch zu Ihrer Persönlichkeit?

Ganz so tiefenpsychologisch habe ich das noch nie analysiert. Aber wenn sie so wollen, Ambivalenz ist Teil meines kreativen Antriebs. Es gibt Phasen, da bin ich ein diszipliniertes Arbeitstier und hart im Nehmen. Es gibt aber auch Tage, in denen ich mich im Atelier verkrieche.

Macht nicht gerade Mut besonders schön?

Ob er exponentiell schöner macht, kann ich nicht sagen. Aber auf jeden Fall gefallen mir immer die Menschen, die den Mut aufbringen, die Kontrolle zu verlieren.