Flaka Jahaj

Andrea Lucia Brun
Andrea Lucia Brun

Designerin und Stylistin

Zurück zu Handwerk und Wurzeln

Sie gehört zu den talentiertesten Designer*innen der Schweiz. Flaka studierte Modedesign in Paris und lehrte bei den Besten, bevor sie sich am Central Saint Martins auf ihre Essenz, Strick, spezialisierte. Unter ihrem Label IAHAI fertigt die gebürtige Kosovarin begehrenswerte Kollektionen, in denen innovative Designs auf traditionelles Handwerk treffen.

 

Was hat dich zu dem inspiriert, was du heute machst?


Das entstand intuitiv. Ich komme aus einem Land mit sehr traditionellen Lebensformen. Die industrielle Entwicklung ist dort nicht so weit, das Land aber kulturell sehr reich. Meine Grossmutter lehrte mir schon als Kind handwerkliche Werte wie Qualität und Präzision. Als wir als Kind aus dem Kosovo in die Schweiz kamen, war die Schweiz lustigerweise auch eher konservativ und handwerklich. In der Primar hatte ich noch Handarbeit. Dort lernte ich alles was es braucht, um eine gute Hausfrau zu sein! Dieser Vorteil hat mir für mein Studium in Paris sehr geholfen. Die Lehrer sagten immer: Ach Flaka, kannst du nicht mal mit deinem Häkel-Zeugs aufhören? Mach doch mal eine Kollektion aus Stoff!

Was motivierte sich, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen?


Während der Zeit als Assistentin bei Rick Owens habe ich gemerkt, dass ich viel Zeit in einem Betrieb verbringe, der nicht meins ist. Ich realisierte, dass ich für meine Entwicklung selbst etwas tun muss und habe mich in London beworben. Das Master Studium war extrem streng, doch die beste Entscheidung in meinem Leben. Jeder kommt mit seinem Rucksack, der analysiert und mindestens um die Hälfte reduziert wird. Der Rest wird geformt. Das ist ein krasser, extrem intensiver aber wunderschöner Prozess. Man wird ausgepresst wie eine Zitrone. Was bleibt ist das Öl, die Essenz von dem was ich heute mache. Mit meiner Diplomkollektion habe ich direkt den «Swiss Design Award» gewonnen. Für mich war das ein wichtiger Schritt in der Bestätigung als Designerin. Aber auch finanziell wie professionell ermöglichte der Award mir den Startschuss, um das zu machen was ich will.

Wer oder was beeinflusst deinen Stil?


Der Modeindustrie stehe ich heute kritischer gegenüber. Ökonomische Missstände oder Unternehmensstrukturen von Luxuslabels haben mich stark geprägt. Mir ist das Gewissen extrem wichtig. Ethische Werte wie Handwerk und eine faire Produktion stehen weit über meinem Schaffen. Selbst wenn es nur ein Millimeter ist, versuche ich zumindest diesen Millimeter dem Massenkonsum entgegenzuwirken. Natürlich finde ich Fashion nach wie vor extrem interessant und ansprechend. Ich bin ja selbst Ästhetin. Dennoch habe ich das Gefühl, dass wir in eine Richtung steuern ohne Ende und wir dieses Ende nur schaffen können, indem wir bewusst in eine gegensätzliche Richtung gehen. Daher auch die Umkehr zurück zum Handwerk mit meinem Label.

Deine Kollektionen werden in Zürich designt und von Hausfrauen in Pristina produziert. Ein bewusstes Bekenntnis zu deinen Wurzeln?


Absolut, doch in der albanischen Kultur ist das schwierig. Migranten aus der Generation meiner Eltern sind extrem verbunden mit dem Heimatland. Der Kosovo wird fast schon über-zelebriert. Eine Zeit hatte ich beinahe eine Aversion dagegen. Vielleicht ist das ein Grund, warum ich nach Paris bin. Selbst in der Schweiz war die Identität als Albanerin omnipräsent. Plötzlich hat sich das Blatt um 180 Grad gewendet. Ich habe realisiert, dass ich einen Vorteil habe, gerade weil ich aus zwei Kulturen komme, gerade weil ich zwei Herzen in mir habe und diese auf wundervolle Art verbinden kann. Aus einem gefühlten Nachteil wurde ein Vorteil. Zudem geht es darum, Know-how zu sichern, das sonst verloren gehen würde.

Wer oder was ist für dich eine Macherin?


Jemand, der sich mit Vergangenem, mit der Gegenwart und der Zukunft befasst und aus diesen drei Elementen etwas schöpfen kann. Schöpfen finde ich ein schönes Wort. Man schöpft aus einem Topf von Vorhandenem und modelliert aus einer Reflexion und Vision etwas Neues daraus, das nachhaltig ist und den Menschen voranbringt.