Interview mit Alexandra Bachzetsis

MACHERIN | ALEXANDRA BACHZETSIS

Die Choreografin und Künstlerin Alexandra Bachzetsis, aktuell Trägerin des renommierten Kunstpreises der Stadt Zürich, strahlt nicht nur auf der Bühne eine starke Präsenz aus. Die engagierte Macherin brachte auch im modissa-Interview viel Authentisches ihrer spannenden Persönlichkeit ein. Bachzetsis ist einerseits eine stille und exakte Analytikerin, andererseits wirkt sie im Gespräch humorvoll und zugänglich. In Sachen Mode lernte sie übrigens viel von ihren griechischen Ahninnen. Die Mutter gab ihr auf den Weg mit, dass „Frauen in Kleidern weniger gefallen, als viel mehr inspirieren“ sollten.

Interview: Martina Bortolani

Wären Sie, mal rein modisch betrachtet, eine Stadt. Welche? 

Paris. (überlegt) Oder nein, New York.

Warum?

Der Stil einer klassischen Parisienne ist natürlich einzigartig. Paris ist dezent, lebendig und charmant. Aber New York dafür frivol, schrill, laut und viel weniger perfekt.

Das gefällt Ihnen.

Und wie! Man kann hier mit Fremden stundenlang über Mode reden. So, als gäbe es nur diese eine existenzielle Frage: „Warum hast du heute genau das angezogen?“ Nie werde ich so oft auf die Farben der Kleidungsstücke oder Accessoires angesprochen wie mitten in New York. Nirgends auf der Welt wagen die Menschen mehr; modisch betrachtet  gehen hier alle immer aufs Ganze.

Mut macht also schön? 

Mut ist entscheidend, generell im Leben. Täglich braucht es eine Mikroportion davon. Insofern strahlen engagierte Menschen optisch sicher deutlicher aus, dass sie mit sich im Dialog stehen. Mit steigender Lebenserfahrung merkt man, dass Kreativität immer mehr zur Vertrauenssache wird.

Künstlerisch oder modisch betrachtet?

Überall. In der Analyse der Ästhetik gehen die Meinungen sowieso himmelweit auseinander. Egal, ob man auf einer Bühne steht oder ein Kleid präsentiert. Identifikation ist wichtiger als Harmonie.

Als Choreografin und Künstlerin möchten Sie nach Ihren Aufführungen ergo nicht hören, dass „schön getanzt wurde...“?

Nein nicht wirklich, ich finde die Kategorie von Schönheit irrelevant für den künstlerischen Ausdruck meiner Arbeit. Vielmehr interessiert mich, ob sich durch meine Choreografien die Thematik eines Werkes kommunizieren lässt.

Was hat Mode für einen Stellenwert in Ihrem Leben?

Sie nährt meine Experimentierfreudigkeit. Das Famose an der Mode ist ihre Unbeschwertheit, ihr Humor. Mode verstehe ich als Highspeed-Medium. Anziehen, zack, Wirkung!

Das erfordert aber Souveränität im Umgang.

Souverän zu sein, wird überschätzt. Richtig oder falsch gibt es selten. Entscheidend ist die Authentizität des Ausdrucks. Es sind oft die kleinen Details, die mir gefallen, mich berühren.

Ein Beispiel?

Meine Grossmutter im Norden Griechenlands konnte Wiesenblumen in ein Wasserglas stellen, und das sah aus wie ein Kunstwerk. Sie tat das frei von Eitelkeit und nicht, weil sie Lob für die ‚hübschen Blümchen’ auf dem Küchentisch einheimsen wollte.

Also sollte man auch Kleider nicht anziehen, um darin bewundert zu werden?

Nichts gegen Komplimente! Aber meine Mutter lehrte mich schon früh: Wir Frauen müssen mit unseren Kleidern nicht gefallen, sondern inspirieren.